25. Februar 2011

Jetzt auch in Frankfurt: Masterabschluss ohne Bachelor

Erststudium? Berufserfahrung!

In Rheinland-Pfalz, Hamburg und Schleswig Holstein dürfen Berufstätige, die bestimmte Kriterien erfüllen, bereits ohne Bachelor einen Master machen. Jetzt werden auch in Hessen die Hochschulgesetze geändert – die FH Frankfurt macht den Anfang und öffnet ihren MBA "Aviation Management" für Nicht-Akademiker.

 

Viele Akademiker-Lebensläufe sehen so aus: Erst das Bachelorstudium, dann wird der Master draufgesetzt und wer dann noch nicht genug hat, promoviert. In Rheinland-Pfalz, Schleswig Holstein, Hamburg und neuerdings auch Hessen können Berufstätige das Erststudium aber umgehen, wenn sie über ausreichende Berufserfahrung und Qualifikationen verfügen. Dies wird über ein Eignungsfeststellungsverfahren geprüft. Die Regelungen sind von Land zu Land bzw. von Uni zu Uni unterschiedlich, bei allen wird jedoch (Fach-)Hochschulreife vorausgesetzt. In Rheinland-Pfalz gilt zum Beispiel: Bewerber benötigen eine mindestens fünfjährige anrechnungsfähige Berufspraxis (Ausbildung zählt nicht mit) und müssen die Eignungsprüfung bestehen. Bislang ist der Masterabschluss ohne Erststudium jedoch eher die Ausnahme.

 

Als erste hessische Hochschule hat die Fachhochschule Frankfurt zunächst einen berufsbegleitenden Master-Studiengang für Bewerber ohne Hochschulabschluss geöffnet. Der MBA "Aviation Management" macht den Anfang, bis Anfang 2012 sollen alle MBAs zwar ohne Bachelor, Magister oder Diplom, dafür aber über andere "Hürden" erreichbar sein: Interessenten müssen eine Eignungsprüfung ablegen und unter anderem nachweisen, dass sie über mindestens vier Jahre einschlägige Berufserfahrung verfügen. Im Rahmen der Eignungsprüfung sind außerdem vier Klausuren (je 90 Minuten) zu schreiben, ein Fachgespräch zu führen, eine wissenschaftliche Arbeit zu verfassen, die dem Bachelor-Niveau entspricht.

 

Studium oder zehn Jahre Berufserfahrung

Noch mehr Berufserfahrung muss mitbringen, wer sich an der AKAD-Privathochschule einen Fern-Master belegen möchte. Bewerber müssen zehn Jahre berufliche Erfahrung in einem kaufmännischen Beruf, Kenntnisse in unterschiedlichen betrieblichen Funktionsbereichen, fünf Jahre Führungstätigkeit und fundierte Englischkenntnisse mitbringen sowie Kenntnisse der wichtigsten (und aktuellen) Theorien, Prinzipien und Methoden des wissenschaftlichen Lehrgebietes.

 

Beispiel Hamburg

Nicht nur wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge öffnen sich der neuen Zielgruppe. Die Uni Hamburg beispielsweise bietet den Masterstudiengangs "Integrative Lerntherapie" inzwischen auch für Nicht-Akademiker an: „Klar ist es für die Studiengänge mehr Aufwand, Tests zu erstellen, aber wir haben uns aber gefreut, dass wir uns öffnen können und Erzieherinnen, Logopädinnen oder Ergotherapeutinnen nun bei uns studieren können“, sagt Magdalene Asbeck von der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung.

 

Die Öffnung der Hochschulen für neue Studenten lohnt sich: Wie eine Untersuchung der FH Trier zeigte, bringen die Teilnehmer ohne vorherigen Abschluss genauso gute Leistungen wie diejenigen mit Abschluss – in den praktischen Fächern sogar bessere. Allein die Betreuung der beruflich Qualifizierten, die noch nicht an einen Studienalltag gewöhnt sind, ist etwas aufwendiger. Doch dieser Aufwand sollte sich in Zeiten des aufkommenden Fachkräftemangels bewältigen lassen.