Nicht nur Hochbegabte werden durch Stipendien gefördert! Wie man seine Chancen auf ein Stipendium deutlich erhöhen kann, hat uns Jan Bruckmann verraten. Er ist Mitautor des Insider-Dossiers "Der Weg zum Stipendium" von squeaker.net und ehemaliger Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Jan Bruckmann, Autor des Ratgebers "Der Weg zum Stipdenium"
Können sich nur Studierende mit herausragenden Leistungen für ein Stipendium bewerben?
Jan Bruckmann: „Gute Noten in Abitur und Uni sind zwar unbestritten wichtig, aber nicht alleinige Voraussetzung. Für die Mehrzahl der Studienförderer ist das soziale Engagement eines Bewerbers ebenfalls bedeutsam. Für alle Stiftungen gilt, dass persönliche Faktoren eine große Rolle spielen: Ist der Bewerber in der Lage seine Fachkenntnisse auf andere Lebens- und Berufsfelder zu übertragen? Ist er bereit sein Talent für die Gesellschaft einzubringen? Kommt er gut mit anderen Menschen aus und möchte gemeinsam mit diesen Projekte voranbringen?
Sie geben Tipps für die Bewerbung bei rund 400 Förder- und Stipendienprogrammen. Wie können Studierende bei der Bewerbung punkten?
Jan Bruckmann: „Indem sie sich in denjenigen hineinversetzen, der ihre Bewerbung liest bzw. der ihnen in einem persönlichen Gespräch gegenübersitzt. Es hilft ungemein sich zu fragen: „Warum macht es für X Sinn, genau mich zu fördern? Welche Informationen sind für meinen Ansprechpartner wichtig, um mich für eine Förderung vorzuschlagen?“ Auf squeaker.net finden Bewerber Erfahrungsberichte zur Bewerbung für ein
Stipendium. Aktuelle Stipendiaten und Alumni geben dort Insider-Tipps für die schriftliche Bewerbung und das Auswahlverfahren vieler Stiftungen.“
Gibt es spezielle Stipendienprogramme für Master-Studierende?
Jan Bruckmann: „Bislang sind Stipendienprogramme, die sich exklusiv an Masterstudenten richten, noch rar gesät. Dafür ist das Angebot der Zielhochschule, an der man seinen Master machen möchte, oftmals größer. Viele Hochschulen bieten Bewerbern ein Stipendium für ihre Masterprogramme an, um die besten Köpfe für sich zu gewinnen. Eine besonders attraktive Möglichkeit der Förderung stellt das Deutschlandstipendium dar. Die Förderung über dieses Programm beträgt, unabhängig vom Einkommen der Eltern oder BAföG, 300 Euro pro Monat. Auch die 12 deutschen Begabtenförderungswerke fördern das Masterstudium. Weiß man bereits während des Bachelorstudiums, dass man einen Master anschließen möchte, sollte man möglichst frühzeitig über eine Bewerbung bei den Begabtenförderungswerken nachdenken – selbst wenn man sich noch nicht für eine Zielhochschule entschieden hat. Steht man kurz vor dem Masterstudium oder hat bereits mit dem Master angefangen, sind die Fördermöglichkeiten eingeschränkter. Allgemein gilt: Beträgt die Reststudienzeit im Master noch vier Semester, sollte man in jedem eine Bewerbung bei den Begabtenförderungswerken in Betracht ziehen.“
Für welche Studienfachbereiche ist das Stipendienangebot besonders groß? Welche werden eher vernachlässigt?
Jan Bruckmann: „Der Großteil der Stipendiaten in Deutschland wird von Institutionen gefördert, die sich an Studenten aller Fachrichtungen wenden – insbesondere die staatlich finanzierten Begabtenförderungswerke oder der DAAD. Anders sieht es bei Programmen aus, die von Unternehmen oder Privatpersonen ins Leben gerufen wurden. Diese wenden sich hauptsächlich an den technischen, kaufmännischen und juristischen Nachwuchs. Unternehmen bieten potenziellen Angestellten, die vor der Vollendung ihrer akademischen Laufbahn stehen, nicht nur eine attraktive Förderung, sondern auch hervorragende Chancen auf eine Festanstellung! In der Nische gibt es aber auch Angebote für Studenten anderer Studienfächer – hier ist aber Spürsinn gefragt.“
Gehört ein Stipendium in den Lebenslauf?
Jan Bruckmann: „Ein Stipendium ist in jedem Fall ein großer Pluspunkt im Lebenslauf, anhand dessen man sich in einer akademischen oder beruflichen Bewerbung von seinen Mitbewerbern abheben kann. Es signalisiert der beworbenen Institution diejenigen Charakteristika, die man auch schon in der erfolgreichen Stipendienbewerbung signalisiert hat: Leistungsbereitschaft, Engagement und eine offene Persönlichkeit.“
BUCHTIPP
Der Weg zum Stipendium. Tipps zur Bewerbung für 400 Stipendien- und Förderprogramme. Mit Übungsaufgaben zur Selbstbewerbung bei der Studienstiftung. 2. erweiterte Auflage 2011. ISBN 978-3-940345-202. 19,90 Euro.