4. Juli 2011

Experten-Tipp Geisteswissenschaften

Chancen mit Germanistik-Bachelor

Frage: "Ich studiere Germanistik (Hauptfach) im Bachelor. Ist es für mich nicht nahezu zwingend, einen Master zu machen, um auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben?"

 

Antwort von Dr. Christian Grüny:

 

Ihre Frage ist sehr berechtigt und lässt sich nicht so einfach beantworten. Die gestuften Studiengänge wurden ja eingeführt, um genau diese Möglichkeit zu eröffnen: bereits nach dem Bachelor in den Beruf einzusteigen. Der allergrößte Teil der Absolventen geistes- und kulturwissenschaftlicher Studiengänge ist von jeher außerhalb des Wissenschaftsbetriebs untergekommen, und die Vorstellung war, dass ein wissenschaftliches Vollstudium für einen Berufseinstieg nicht unbedingt nötig ist – ohnehin musste und muss man mit einer längeren Einarbeitungszeit in das jeweilige Feld rechnen.

 

Trotzdem sind immer noch viele Arbeitgeber misstrauisch bezüglich der aus der Perspektive des traditionellen Modells nur halbfertigen Absolventen und ihrer Qualifikationen. Das ändert sich allmählich. Die Vermutung ist allerdings nicht ganz abwegig, dass sich der akademische Abschluss – Master oder nicht – dauerhaft in einem entsprechend niedrigeren Gehalt niederschlagen wird. Dabei muss man sagen, dass es "den Arbeitsmarkt" nicht wirklich gibt: Geisteswissenschaftler landen in derart heterogenen Arbeitsfeldern, dass sich allgemeine Aussagen hier eher verbieten. Insgesamt gilt natürlich: Je näher der Beruf an der eigentlichen akademischen Ausbildung liegt, desto wichtiger ist ein entsprechender Master, je weiter er davon entfernt ist, desto weniger bedeutsam wird er sein.

 

Erstmal in den Beruf und dann weiter studieren?

Ein volles akademisches Studium hat man definitiv erst mit dem Master. Schließlich gibt es auch noch die Möglichkeit, nach dem Bachelor zuerst in den Beruf einzusteigen, um dann einige Jahre später noch einen Master zu machen, womöglich in einem anderen Bereich. Ob ein solches Modell gelingt, ob man also nach einigen Berufsjahren aus- und dann nochmal wieder einsteigen kann, kann man natürlich nur schwer prophezeien. Dass die Berufserfahrung einem eine andere Perspektive und auch andere Fragen für ein Masterstudium gibt und so durchaus bereichernd sein kann, steht wohl außer Frage. Kurz: Die Pluralisierung der Möglichkeiten und Bildungswege machen eine klare und einfache Antwort unmöglich. Ich würde empfehlen, eher nach den konkreten eigenen Perspektiven beim Abschluss des Bachelorstudiums zu gehen als nach irgendwelchen allgemeinen Ratschlägen so genannter Experten. Ich hoffe, Sie können damit leben, daß ich mein eigenes Expertentum im letzten Satz dementiere – es gibt für all das keine wirklichen Experten.

 

                           

Unsere Experten:

  • Prof. Dr. Kai Furmans, Leiter der HECTOR School of Engineering and Management
  • Prof. Dr. Heike Jochum, Leiterin des Instituts für Finanz- und Steuerrecht, Uni Osnabrück
  • Christina Kremer, Projektleiterin Hochschulmarketing, Peek & Cloppenburg KG
  • Michael Heuters, RWTH Aachen, INBK - Institut für Nuklearen Brennstoffkreislauf
  • Dr. Immo Schmidt-Jortzig, Leiter der Programmakkreditierung / Zertifizierung der FIBAA
  • Jost Paffrath, Leiter Relationship Management der Frankfurt School of Finance
  • Bernd Schmitz, Leiter des Hochschulmarketings bei der Bayer AG
  • Dr. Christian Grüny, Juniorprofessor an der Fakultät für Kulturreflexion an der Universität Witten/Herdecke
  • Annette Kamps, Redakteurin des Portals www.mastermap.de
  • Denis Buss, Leiter Einstieg Studien- und Berufsberatung