Für Berufseinsteiger geht es bei der ersten Festanstellung um weit mehr als um fachliche Kompetenz. Soft Skills wie richtige Umgangsformen oder effiziente Arbeitstechniken sollten ebenso zum persönlichen Karrierestart-Paket gehören. Prof. Dr. Martin-Niels Däfler, Dozent und Marketingberater, gibt in seinem Ratgeber „Der Karriereführerschein“ Antworten auf die wichtigsten Fragen des Büroalltags.
Warum sind Soft Skills so entscheidend für den beruflichen Erfolg?

Prof. Martin-Nils Däfler gibt in seinem Ratgeber "Der Karriereführerschein" wertvolle Tipps für Berufseinsteiger.
Prof. Martin-Nils Däfler: Wer glaubt, Fachwissen und "Vitamin B" allein seien ausreichend, um Karriere zu machen, der irrt. Soft Skills, die ich lieber als "handwerkliche Fähigkeiten" bezeichne, sind ein außerordentlich wichtiger Erfolgsfaktor. Ich habe dazu letztes Jahr eine Befragung durchgeführt. Die Teilnehmer sagten, dass nach Fachkenntnissen, handwerkliche Fähigkeiten, die zweitwichtigste Karrierevoraussetzung sind, noch vor Beziehungen oder dem Zufall. Genau deshalb habe ich mein Buch "Der Karriereführerschein" geschrieben – darin gehe ich auf die vier wichtigsten handwerklichen Fähigkeiten ein: Umgangsformen, Selbstorganisation sowie mündliche und schriftliche Kommunikation.
Sollten Jobstarter vor dem ersten Arbeitstag Rhetorik-, Projektmanagement- und Teambuilding-Kurse absolvieren, um meine Soft Skills zu trainieren?
Däfler: Wenn Arbeitgeber von Berufseinsteigern perfekte Kommunikationskompetenzen oder fundierte Kenntnisse im Projektmanagement erwarten, dann halte ich solche Anforderungen für überzogen, schließlich kann man mit Mitte 20 noch nicht über die gleichen Kenntnisse verfügen wie ein "alter Hase". Wohl aber rate ich Studenten jeder Fachrichtung dazu, sich während der gesamten Hochschulzeit immer mal wieder mit persönlichen Arbeitstechniken und dem Thema Kommunikation zu beschäftigen. Je früher man das tut, desto mehr kann man das erworbene Wissen schon im Studium anwenden.
Welche Tipps geben Sie für die erste Festanstellung? Den ersten Tag? Die erste Woche?
Däfler: Der erste Eindruck zählt. Diese alte Volksweisheit gilt nach wie vor, erst recht beim Berufseinstieg. Die neuen Kollegen beobachten aufmerksam, wer da kommt. Lauert ein Konkurrent? Passt er oder sie ins Team? Weder überangepasstes Verhalten noch ein allzu selbstbewusster Auftritt sind deshalb zu empfehlen. Entscheidend ist, dass man sich selbst treu bleibt und dem Chef sowie Kollegen nichts vorspielt. Wer nach dem Sherlock-Holmes-Prinzip vorgeht, kann nicht viel verkehrt machen: Erst eine Zeit lang beobachten (damit ist nicht ausspionieren gemeint) und nach ein paar Wochen vorsichtige Verbesserungsvorschläge machen. Diese verpackt man am besten als Frage, damit man nicht gleich den Stempel "Besserwisser" aufgedrückt bekommt.
Sind Sie selbst nach dem Studienabschluss in Kommunikationsfallen beim Arbeitgeber getappt?
Däfler: Ich bin zwar nicht in eine Kommunikationsfalle getreten – schließlich war ich als Redakteur eingestellt –, aber ich habe genau den Fehler gemacht, den ich gerade beschrieben habe. Noch vor Ablauf der ersten Woche habe ich meinen beiden Kolleginnen einen detaillierten Vorschlag zur Neuaufteilung der Arbeit gemacht. Die Resonanz war – freundlich ausgedrückt – zurückhaltend. Beim Sommerfest ein paar Monate später, nach ein paar Bieren, habe ich dann mit den beiden Damen darüber gesprochen und ihnen erklärt, dass ich ihre Kompetenzen nicht antasten, sondern lediglich mein Aufgabengebiet eingrenzen wollte. Damit war alles klar – später haben wir noch oft über meinen forschen Auftritt in der ersten Woche gelacht.
BUCHTIPP
"Der Karriereführerschein. Erfolgstipps für alle, die anfangen zu arbeiten" von Martin-Niels Däfler. Campus Verlag, 207 Seiten, 17,90 Euro
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