Wer nach dem Uniabschluss erst mal ein Praktikum macht, muss aufpassen, dass er nicht ausgebeutet wird. Viele Unternehmen nutzen Praktikanten als billige Arbeitskräfte. Das ist eines der Ergebnisse der neuen Studie "Generation Praktikum 2011".

Viel Arbeit, wenig Geld, geringe Übernahmechancen - da gerät so mancher Praktikant ins Grübeln (Foto: cydonna / photocase.com)
Spätestens mit dem Studienabschluss beginnt für junge Menschen tatsächlich der Ernst des Lebens. Jetzt geht es darum, den ersten Job zu finden - möglichst unbefristet und gut bezahlt. Doch die Realität sieht anders aus: Viele Absolventen treten nach der Uni erst mal ein Praktikum an. Die Hoffnung, danach übernommen zu werden, erfüllt sich aber längst nicht für jeden, wie die
Studie "Generation Praktikum 2011" zeigt.
40 Prozent der Praktika unbezahlt
Für die nicht-repräsentative Studie der Hans-Böckler-Stiftung und der DGB-Jugend wurden insgesamt 674 Absolventen des Jahres 2007 an den Unis Hamburg, Köln, Rostock und Berlin (FU) befragt. Nur 19 Prozent gaben an, nach dem Abschluss direkt eine unbefristete Stelle gefunden zu haben. Demgegenüber absolvierten 28 Prozent zunächst ein Praktikum. 27 Prozent waren erst mal befristet beschäftigt.
Rund 40 Prozent der Praktika waren laut Studie unbezahlt. Der Bruttolohn der bezahlten betrug durchschnittlich 550 Euro im Monat - das ergibt einen Stundensatz von 3,77 Euro. Zu diesem Dumping-Lohn ackerten die Praktikanten im Schnitt knapp fünf Monate in ihren Unternehmen. Neun Prozent der untersuchten Praktika dauerten sogar länger als neun Monate.
Praktikumsunternehmen beuten aus
Dabei hatten drei Viertel der Praktikanten den Eindruck, als reguläre Arbeitskräfte eingesetzt zu werden, die im Betriebsablauf fest eingeplant waren. Die DGB-Jugend spricht in solchen Fällen von Ausbeutung und verweist auf den Lernzweck, den ein Praktikum erfüllen sollte. Trotzdem wurden letztlich mehr als die Hälfte der untersuchten Praktika von den Befragten mit "gut" bewertet. "Schlecht" schnitten nur 20 Prozent ab.
Nach Praktikumsende erhielten 22 Prozent der Befragten das Angebot, in eine reguläre Tätigkeit übernommen zu werden, mehr als doppelt so viele hatten sich dies bei Aufnahme des Praktikums erhofft. Dreieinhalb Jahre nach ihrem Hochschulabschluss arbeiten heute jedoch rund 90 Prozent der Befragten in einem festen Job.